wer ist das volk?

November 23, 2013

in der letzten zeit ist beobachten, dass die npd sowie ‚besorgte‘ bürger die berühmte formel „wir sind das volk!“ für sich beschlagnahmen. die gründe hierfür sind vermutlich ersichtlich und brauchen nicht weiter ausgeführt zu werden. was aber soll das nun sein: volk? ist es eine gruppe innerhalb einer gruppe oder neben anderen ansammlungen von gemeinschaften? ist volk gemeinschaft oder gesellschaft oder nichts davon? und inwiefern verhält es sich zum staat? fakt ist, die beschlagnahmung des begriffs ‚volk‘ für eine kleine ausgerichtete gemeinschaft, beziehungsweise für eine transformation eines unbehagens gegenüber dem fremden in einen kollektiven ‚begründungszustand‘ ist perfide und pervers. oder neutral betrachtet: absurd. denn wer sind die anderen, nicht nur die unsinnige,  ‚bedrohliche‘, aber völlig unwirkliche ‚einheit des fremden‘, sondern auch diejenigen, die sich jener volkssemantik nicht anschließen? wer ist das wir des volkes, wenn jeder sein eigenes wir haben möchte? volk wird in empörung immer als geschlossene semantische gegengemeinschaft gedacht. und das funktioniert nicht. ebenso funktioniert ja nicht in der frage nach dem wir der frau. welche frau hat nun das richtige wir? und ist eine frau, die sich dieser semantik der frau nicht anschließen mag, keine frau mehr? diese diskussionen im raum des absurden sind uns allen ja bekannt und gerade sehr modern. allerdings haben sie auch ihr gutes, sie regen an, weil sie aufregen und bringen so gegenfragen oder grundsätzliche auseinandersetzungen in gang…

folgende meditation stammt aus einer arbeit zum thema volkssouveränität. im mittelpunkt dieser arbeit stand der begriff des souveränen wie ihn der philosoph jean-luc nancy ihn versuchte zu ergründen [Die Erschaffung der Welt oder Die Globalisierung. Berlin: diaphanes , 2003.]. die meditation sollte mir orientierung darüber geben, welche fragen für mich relevant sind, beziehungsweise welche fragen mir helfen, im jenem kontext sinnvoll weiterzufragen; die frage ist ja wichtiger als die antwort, da sie die antwort als solche bereits ausrichtet. aber ob sinnvolle fragen bei rauskamen, ist noch eine andere sache. 😀

[wer interesse an der gesamten arbeit hat, kann dies per kommentar oder dm oder…formlos erfragen. 😉 ]

Meditation statt Fußnote

Diese Stelle bleibt mir ein Rätsel*. Scheint das Souveräne einmal als Volk und einmal als dem daraus hervorgehenden ‚Leviathan‘ gedacht? Hieße dies nicht aber, dass das souveräne Volk zuallererst sich selbst begründen muss, ist das souveräne Volk ein begründetes und existiert erst dann als Volk, sobald es sich begründet oder gibt es auch eine semantische Differenz zwischen Volk und souveränem Volk? Ist das Volk ein Beisammensein von Menschen oder eins von Bürgern, ist es ein Beisammensein per se, da der Mensch immer auch als soziales Wesen gedacht werden muss und nicht erst durch notwendige Kooperation dazu wird? Begründet sich das Volk quasi im Menschen oder ist es bereits als eine Art Gestimmtheit, als eine Art Institution zu denken? Dabei geht es nicht um die Varianzen des Selbstbildes eines Volkes, sondern darum, ob das Volk zuallererst als Volk erschaffen werden muss. Und wenn erschaffen, dann grundsätzlich oder innerhalb einer Bezugsinstitution, wie der Staat eine wäre? Daraus ergäbe sich die Frage, in welcher Weise das Volk mit dem Staat verbunden ist und wer was voraussetzt. Was, wenn der Souverän im Einzelnen ‚lediglich‘ materialisiert wird, das Volk einem kollektiven Geist und einem kollektiven Körper entspricht, einer res cogitans und einer res extensa? Wie ließe sich der Dualismus, sofern er sich dem tieferen Erfassen des Problems anbietet, überwinden? Wie ließe sich der Einzelne als Geist-Leib-, zumindest als Geist-Körper-Union denken. Und ist dies notwendig, um die internen Bedingungen des Volkes gänzlich zu erfassen? Wenn man den Körper als ebenso sozial ausgerichtetes Wesen wie den Menschen denkt, der Körper somit immer schon auch Konstrukt und Ort der Einverleibung seiner selbst (sprich: seines ‚Bildes‘, das man sich von ihm macht) ist, und der Raum der Explizitmachung und Manifestierung in der Sprache gesehen werden kann, führte ein möglicher Weg zur Überwindung des Dualismus und zum tieferen Vordringen in das Wesen des Souveräns/Souveränen und dessen Grenzen über die Sprache?

*mir blieb im vorausgehenden abschnitt der arbeit ein rätsel, ob das volk für nancy bereits souverän ist, weil es volk ist oder ob es ein souveränes volk gibt? rätsel deshalb, weil mir nicht klar wurde, ob er sich selbst widerspricht oder nicht. ok, mir ist es auch heute noch ein rätsel, aber egal.

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weil du es bist

August 1, 2013

in dieser meditation ist kein kern einer aussage zu finden. sie hat anfang und vermutlich ein ende. es kommt darauf an, ob ich jetzt schreibe oder du jetzt liest. und es ist ersichtlich, dass es zwei verschiedene jetzts sind, weshalb ich nicht extra darauf eingehen muss und dieser satz mit dem hinweis auf ersichtlichkeit schier überflüssig ist/scheint.

nun sind wir gemeinsam kein stückchen schlauer. was soll das alles bloß?

ich weiß es nicht. vielleicht wirst du es wissen. sag mir, soll ich fragen, was das soll – oder magst du es übernehmen?

sind dies unsere interrationalen entziehungen? warum wollen wir in fragen verschwinden? wollen wir das? dies geht niemals gut. aber auch niemals besser,

ließe sich erleichternd feststellen. sagen wir, nun sind wir ein stückchen vorangekommen und bereit, einen neuen beliebigen punkt einzunehmen und lass uns glauben, dieser punkt hätte etwas mit nähern zu tun. oder – um klug zu wirken – mit heideggerscher entfernung.

nun liegt eine referenz vor, von der ich nicht weißt, weshalb ich sie einbrachte und was du davon hältst. ist das auch wichtig? ja, denn ich achte dich sehr. aber achtung: aber achtung allein? genügt das, um vorangekommen zu sein? oder genügt das gefühl, vorangekommen zu sein? und warum klingt das alles so sperrig?

sind wir nicht alle ein bisschen (aus dem zusammenhang) gerissen? und möglicherweise hin und her?

und nun?

seit nunmehr zum 22. mal sind in leipzig pfingsten und wgt eng miteinander verwoben. in der gesamten stadt präsentiert man sich facettenreich schwarz (nicht nur schwarz, versteht sich). seit einigen jahren weiß die stadt(beziehungsweise deren geschäfte) bestens davon zu profitieren. das ist aber ein anderes thema.

die szene ist so ausdifferenziert, dass es sinnvoller wäre, von bewegung zu sprechen. szene suggeriert ein zu großen gemeinsamen nenner. dabei gibt es innerhalb der bewegung unterschiedlichste musikalische und daran gekoppelte metaphysische (ich meide bewusst ‚ideologische‘) ausrichtungen. mal sehen, was mein kopf gerade ausspuckt:

dark wave, ebm (electronic body music), neofolk, industrial, metal (in allen facetten), post-punk, gothic-punk, ’neue deutsche todeskunst‘ (am intensivsten zwischen anfang und mitte der neunziger), neoklassik, noise, seit anfang 2000 gibt es auch vermehrt verknüpfungen zur cosplaykultur…und und und . gothic-rock ist eher als ein sammelsurium verschiedenster einflüsse zu verstehen und existiert nicht als solches.

in der zeit, als ich grufti war (1993/4-1997) schien das sicher noch übersichtlicher, wenn auch ebensowenig einheitlich. ich selbst war immer starker anhänger der neuen deutschen todeskunst und hör(t)e vor allem gruppen/projekte, die sich witzigerweise allesamt  in den wendejahren gründeten: das ich, goethes erben, umbra et imago, sopor aeternus, law of the dawn. und auch das erste erste lacrimosa-album „angst“ steht im regal (ja, ich schäme mich).

der schwarzen „szene“ angehören hieß, sich gemeinsam an einem ort zu treffen, dort aber unterschiedlich zu agieren. in der stadt brandenburg waren es vielleicht ~50 leute jeglicher couleur. auf der tanzfläche waren die unterschiede am besten zu erkennen: die einen stampften zu and one vorzurück, was andere vertrieb, umbra et imago ließ fetischleute aufatmen und sopor aeternus zog die düsteren patchoulikleiderfransen wie mich auf die tanzfläche. dort starben wir dann herrlich grausam einen tod nach dem anderen.

in den neunzigern assozierte man uns zuerst mit satanisten. und ja, es gab und gibt sie. sie bilden eine minderheit, die die grufti-szene nur zufällig streifte, sie aber keineswegs auszeichnete.

zur unterstellung, gruftis seien satanisten gab es damals einen tollen ironischen kommentar:

heute höre ich eher, gothics seien rechts. auch dies ist natürlich großer humbug, was nicht heißt, dass es keine rechten tendenzen innerhalb der bewegung gibt. ganz im gegenteil. aber der gesamten bewegung dies zu unterstellen, ist mehr als fahrlässig. bezeichnend seien hierfür die aktionen der antifa, die, wie in vielen anderen bereichen auch, aus einem bestehenden problem induktive fehlschlüsse produziert, und dabei gern übersieht, dass selbst veranstaltende und besuchende des wgt mit diesem problem kämpfen. und natürlich ließe sich berechtigterweise fragen, wie es zum beispiel im jahre 2000 dazu kommen konnte, dass auf der parkbühne versammelt bands des rechten spektrums spielen durften. was haben die veranstalter da übersehen oder durchgehen lassen? die stadt schritt zwar ein und untersagte dem sänger von von thronstahl den auftritt, was aber die band selbst nicht davon abhielt zu spielen, sich zu inszenieren und unter anderem mit einer fahne zu wedeln, auf der die schwarze sonne abgebildet war und zwar in der form, wie sie zuallererst im mosaikboden der wewelsburg zu sehen war. auch die gruppen allerseelen, death in june, blutharsch, kirlian camera sich symboliken u.a. dem runenkult und heldenmythos entlehnt, aber in gewählter form erstmals im dritten reich in erscheinung traten, darüberhinaus inszenier(t)en sich einige bands so, dass assoziationen mit dem dritten reich zwangsläufig auftreten.

alles in allem gab es einen guten nährboden, den selbst npd und jn immer wieder für ihre saat nutzen wollten.

es gibt also ein problem. eins, dass sich in keiner weise schönreden lässt. aber es darf daraus nicht der schluss gezogen werden, dies träfe für die gesamte schwarze bewegung zu. genausowenig ließe sich von rechten tendenzen und alltagsrassismus auf die ‚haltung‘ der gesamtbevölkerung schließen. erstens ließe das die eigentlich üblen wurzeln nicht mehr erkennen oder analysieren und andererseits untergräbt es die versuche der bewegung selbst, sich dem problem anzunehmen, bzw. sich aktiv zu distanzieren. und solche versuche gibt es. als beispiel sei hier ’schwarz statt braun‘ angeführt.es gibt sehr wohl kritische auseinandersetzung mit der eigenen bewegung, auseinandersetzung von innen.

natürlich gibt es viele anknüpfungspunkte für rechte tendenzen. manche richtungen leben ihr neoromantisches oder ihr heidnisches dasein. das macht es mitunter auch oft verdammt schwierig, unterscheidungen zu treffen. im falle von death in june rätselt man immer wieder, ob nun rechts oder nicht und man findet (eindeutige) indizien weniger in der musik als in der inszenierung und ästhetisierung der konzerte sowie anhand der veranstaltungsorte.

johannes lohmann und hans wanders bringen in ihrem beitrag zum buch „RechtsRock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategien“ (hrsg. christian dornbusch und jan raabe) das problem des uneindeuttigen wiefolgt auf den punkt:

„Rufen manche Konzerte auch bewusst die Assoziation vom heroischen Kampf im Schützengraben, von Kameradschaft, Männerbund und NS-Fackelzauber hervor, so ist es doch nicht der leibhaftige Nationalsozialismus mit all seinen Konsequenzen, sondern hier wird sich nur jenen ‚reinen‘ Eigenschaften wie Aufrichtigkeit, Standhaftigkeit und Heldenmut bedient. Inszenierung und Ideologie wird auf bloße ‚Kunst‘ reduziert und ihr faktischer Kontext geleugnet. Dieser faschistische Kontext ist jedoch zwangsläufig bei einer derartigen Inszenierung präsent.“

heidnischer kult, heldenmythos etc. hat mir nie was bedeutet und mir persönlich stößt es auch auf. aber bis zu einem gewissen grad ist das spiel mit dem bezug zum heidentum, mit dem bezug zur runenwelt und zur symbolik hinnehmbar und zwar sofern darhinter eben keine rechtsideologischen ansichten und haltungen stehen. selbst dem leidenschaftlichen tragen von uniformen kann ich nichts entgegensetzen, auch wenn es mich enorm stört, sofern sich hinter diesem tragen keine ideologie, sondern ein fetisch verbirgt und auf anspielungen verzichtet wird.  und das ist der unterschied: ich persönlich lehne all das für mich ab und habe gründe für diese ablehnung, aber mir steht es nicht zu, daraus die maxime einer generellen ablehnung abzuleiten und damit letztlich den blick für das eigentliche problem zu verstellen.

die lauer im kopf

November 14, 2012

dies ist ein in-der-welt-sein

ein geworfensein

aufgeschmissen/draufgesch

rieben: sich die hände

um es warm zu haben

für das offene buch mit

sieben: siegeln / nicht: siegen

 

sitze kreuzung friedrichstraße/kochstraße. checkpoint charlie. disneyland. mein blick fällt auf das mauermuseum. mein blick fällt.ich falle mit. frage mich, wie sehr etwas (auf welche weise) gewesen sein muss, um betrachtungsrechte zu erhalten. mit dach überm kopf und immer den gang entlang.

was darf begangen werden. was davon ist vergangen. was davon wird vergangen bleiben. und woran hat man sich vergangen. für die optimale ausleuchtung einer geschichte, die keine gewesen sein wird.

die wahrheit aber ist naheliegend. klar auf der hand. die erde ist eine scheibe, um die sich die sonne brav dreht. klar auf der hand: der eid ist eine scherbe und

der erbe hat keinen schneid.

genug mit den worten gespielt. der mensch ist nur da ganz mensch, wo er spielt. und ganz sind wir nicht. nicht ganz dicht.

mauermuseum. jeden tag die eigenen mauern nicht sehen. dabei wären sie geeigneter, betrachtet zu werden. das bessere wollen und mauern zu fall bringen. das bessere wollen, aber nicht gönnen. selbst wenn das bessere ‚überleben‘ bedeutet.

ich habe das ‚bessere‘ gewollt. „kinderüberraschung“ hieß es für mich. für andere hieß es lebensbedingung. und auch heute gibt es menschen, die besseres wollen. unter ihnen sind zahlreiche, denen selbst lebensbedingung zu fern klingt, da ihnen die überlebensbedingung genügte.

geständnis ->

ich weiß nicht, wie dieser text sinnvoll ausklingen kann, da mir folgendes bild noch viel zu nah geht, es aber mitgeteilt werden möchte:

berlin / brandenburger tor / pariser platz / wiener kutschen / nva-soldat / schwarzgeschminkter gi / micky maus / darth vader / dazwischen: sei wochen ausharrende flüchtlinge = menschen

dieses bild. so irritierend. und ehrlich, ich habe dagestanden und konnte nicht anders als weinen.

(weitermach-)finale

flugblatt: „Wir sind Menschen, und da wir unser Menschsein nicht ändern können, wollen wir die unmenschlichen Zustände ändern.“

weiter

endlich weiter…!

 

 

 

 

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