wie die räume zu mir kamen, sahen und gingen

April 2, 2014

damals glaubte ich noch, ein/e schrifsteller/in müsse sich immer und in jedem fall mühsam alle straßennamen und ortsbeschreibungen ausdenken, mühsam einen ganzen raum erschaffen, in den anschließend der handlungsraum eingegossen wird. auf solch eine idee kann man kommen, wenn man in einem ort aufwächs, der in der literatur, die man liest, keine rolle spielt.

andere orte waren mir meist nur über die literatur zugänglich. der geografische ort lag auf dem orthografischen und war damit weder wahr noch falsch, beziehungsweise hatte seine wahrheitswerte allein in bezug auf sich selbst.

und dann? dann zieht man nach leipzig und stellt fest, dass es wohl kaum einen flecken gibt, der nicht einzug in die literatur erhielt. man kann sich diese irritation vorstellen oder kennt sie womöglich aus eigener erfahrung. ich war anfänglich sogar enttäuscht, weil ich den autorInnen eine raumschöpfung zutraute, die wohl keine eigenleistung war. sie schrieben quasi nur ab. sie beschrieben bereits vorhandene geografische gegebenheiten. ist das was?

natürlich war mir das vorher auch klar. irgendwie.  es wäre ja auch guatsch. sonst.

und mit der zeit wandelte sich meine enttäuschung in hochachtung, da ich am eigenen leib qualvoll erfahren durfte, was es heißt, mittels sprache abzubilden. das ist wie aktmalerei. am ende hat man sehr geschulte augen undoder sich die blöße gegeben – mit der anschließenden einsicht, für das aktmalen nicht geboren zu sein, trotz etlicher techniken und tricks, trotz handwerksallerlei. [einmal setzte ich mich an das küchenfenster und nahm mir vor, alles zu notieren, was  ich für wichtig hielt: betriebsamkeit, bewegungen, farben, gerüche. natürlich vorher eingestimmt, welche nuancen in welcher weise notiert werden sollten. das nahm ich mir vor, während ich mich ans fenster setzte. und es dauerte nicht lang, als eine tram vorbeifuhr. eine tram mit speewerbung. die ganze tram ein riesenreklamobil. hier das spee, dort der fuchs. und natürlich durfte der slogan:“spee – die schllaue art zu waschen“  nicht fehlen. so fuhr die tram an mir vorbei. und was macht mein hirn? in sekundenbruchteilen formte es den slogan um: „schnee – die schlaue art zu naschen“. damit hatte ich einen slogan und ein vorhaben, das ich vorerst für beendet erklären musste, da mein hirn nun unbedingt den drang hatte, dieser umschrift nachzugehen. tja.]

aber vielleicht muss man auch nicht geeignet sein dafür und kann sich damit begnügen, karge (nicht-)räume mehr oder weniger gelungen aus dem freien zu kreieren, ganz gleich, ob straßen, häuser, menschen, richtungen drin wohnen oder irgendetwas anderes.

ganz sicher.

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