’s ist so kurios still. Man möcht‘ den Atem halten.* (automanisches geschrieben)

Januar 29, 2014

manchmal benötigt es nur einen grund, um betrübt zu sein: die welt.

die welt an sich, natürlich die welt an sich, als solche. dieses erbsengeschöpf in personalunion.

dann sitzt man wieder einmal vor der thomaskirche und denkt sich: ha, ich sitze schon wieder vor der thomaskirche. aber heute geht es mal nicht um bach, sondern um büchner. der stand als container in der stadt der woyzeckhinrichtung. das ist vorstellbar, aber wahr. und die woyzeckhinrichtung war die letzte. die letzte öffentliche in leipzig, wohlbemerkt. das war am 27. august 1824. woyzeck hinterließ der stadt eine frisierstube in der mädler-passage, zwei füße neben auerbachs keller. man sieht, es wimmelt überall an prominenz.

„ich habe der marzipanhand des bachdenkmals einen guten tag gewünscht“, sagte ein tourist in einer mir nicht verständlichen sprache. noch heute grüble ich, was er sagte. seitdem sind immerhin schon zehn minuten vergangen. eine lange zeit in unserer schnelllebigen lethargie.

ich antwortete ihm mit einem sprachhandelsüblichen lächeln (gemäß genfer konvention). er dankte es mir mit einem schlag ins gesicht. glücklicherweise ist es heute sehr kalt, weshalb der schlag durch zentimeterdicke fäustlinge seinerseits wesentlich abgemildert wurde. „lass uns reingehen und es von mann zu mann austragen“, erwiderte ich, und verschwieg ihm, dass mir der begriff ‚mann‘ seit jeher bauchschmerzen bereitet, da er einen semantisch dazu zwingt, zum beispiel jetzt mit dem geschlechtsgenossen kirche zu gehen und die sache protestantisch zu erledigen. drinnen angekommen zog er seine fäustlinge ab und ich meine hände aus dem muff (pelz vom tofulemming), befreite mich von meinem seitanschal, öffnete ein wenig den mantel, während er ungeduldig zu zucken beginnt, dieser desweiterennudist samt wetterbedingter körperpartiengröße.

nun stehen wir uns gegenüber, starren uns männlich an, dachten an ziegen und plötzlich waren wir so konzentriert auf das jetzt gewesen, dass wir nicht einmal dieses unerklärliche hinundherspringen zwischen den zeitformen erklären werden können.

„nun gut“, sagst du in deiner mir unverständlichen sprache, „lass uns beginnen.“ zugegeben, mir zittern ein wenig die nerven. ich sag ihr, es läge an einer familienbedingten psychosemantischen störung,  sie schüttelt nur den kopf und mir fiel ein, dass sie ja du und du er bist, was mich so dermaßen irritiert, dass die postsemantische störung mit einem mal völlig haltlos auf dem boden der tatsachen festgewurzelt sein wird.

„’nun gut‘, sagst du“, sag ich und füge ein international durchgesetztes „ok“ anbei.

da stehen wir uns nun gegenüber in unserer männlichkeit, hören uns schnauben, dann tief einatmen und

singen. zwei- bis vierstimmig. noch höhere mehrstimmigkeit bedarf eines vorbereitenden blabliblabliblabliblabliblabliblabliblaaaas. darauf mussten wir aus gründen verzichten. im protokoll wird stehen: wir sangen bach, kuhnau, hiller, aber auch, vivaldi, rameau, schönberg, telemann und -tubbies. natürlich in alphatischer reihenfolge. wir hatten freude und konnten es, trotz unserer harten männlichkeit, zugeben. das protokoll wird in reinschrift übertragen und per e-mail an die beteiligten versandt werden geworden sein.

 

hochachtungsvoll, Ihr treuergebener

 

van roehlek

ps: wie ist es büchner derweil ergangen?

 

büchner

*büchner: woyzeck

 

 

 

 

 

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