gleichwie der regen und schnee vom himmel fällt*

Januar 20, 2014

noch so ein automanisch erstellter text?

ja.

mir gegenüber sitzt die thomaskirche im regen. dann geht ein mann vorbei, der aussieht wie ein mann, den ich kenne, weil er immer rumsteht. so übergroß. und dieser mann, der da vorbeigeht, steht eigentlich auch nur rum und ist der mann, den ich kenne. was heißt schon ‚kennen‘? ist halt ein mann in übergröße. und der steht immer vor der thomaskirche. manchmal bleiben touristen stehen, um sich mit ihm fotografieren zu lassen. dabei gibt es fotografie noch nicht mal so lange. die ersten bilder, auf denen dieser mann aufgetaucht sein wird, müssten schwarzweiß und 300 minuten stillhalten sein. daher die ausdauer. mittlerweile stehen touristen mit dem tablet davor und fächern ihm luft zu, sagen sie. währenddessen machen sie heimlich fotos. so müssen sie nicht dafür bezahlen. ach, was soll ich sagen, es werden nur noch fotos gemacht, für die nicht gezahlt wird. deshalb musste sich der mann auch seine edlen kleidungen verzichtigen und einen anzug in bronze zulegen, der ein paar jahre ohne einkommen überdauert. wettertauglich und abwischbar.

aber, und das muss unter uns bleiben:

der kopf des mannes, der da draußen steht, ist nicht echt. er hat heimlich seinen kopf 3D-gescannt, hat seinen abgenommen, den klonschlingel draufgepappt und seinen eigenen über die wintertage in ein häuschen in der nähe aufgestellt, dessen inneneinrichtung (also die des häuschens) finzanzierig auf eine benefizveranstaltung mendelssohns zurückgeht, und zwar, das muss man sich mal vorstellen, eine benefizveranstaltung zu ehren eben jenes mannes, der da vor der thomaskirche rumsteht. das war 1840. 1843 war es der innenraum des winterhäuschens dann bezugsfertig.

und wo wir grad bei enthüllungen sind:

die gebeine des mannes sind auch nicht mehr echt. so sind zum beispiel die beiden hände aus marzipan und die rechte hand aus mettigel.

da kommen touristen aus aller welt, um diesem mann durch fächern die ehre zu erweisen und dann ist nichts an ihm echt. es gibt natürlich auch echte menschen, an denen nichts mehr echt ist, aber ein bisschen echt bleibt denen schon und sei es die leere im kopf. („SEBASTIAN!“ „wasn?“)

die gebeine entspannen während des winters in der thomaskirche selbst und zwar im altarraum. unter. also drunter. hübsch mit bronzedecke, die er sich von seinem letzten ersparten hat häkeln lassen.

bach muss man sich mal vorstellen!

 

*bwv (bach-werke-verzeichnis) 18

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: