cafénotizen

Dezember 14, 2013

durch die plastikblume gerochen

behelfsromantik

ein tisch dabei als wär sommer

warum das rad neu erfinden? es bliebe ein rad.

etwas erfinden, dessen wort bereits existiert? die sprache muss hinterherhinken. nicht umgekehrt. hinterherhinken ist ihre aufgabe.

manchmal treffen sich zwischen den tischen die blicke und es sieht aus, als wäre es ein unfall. nervös wellen sich die ertappten gesichter. es kam ruhe zu schaden.

hier sind die tische rund. mir liegen die eckigen mehr. eckige weisen über sich hinaus, während die runden so tun, als gäbe es keine weitere sicht auf die dinge.

blick aus dem fenster. gegenüber das museum der bildenden künste. darin auch max klingers pinkelnder tod. beim gedanken daran kneift ein verschmitztes lächeln in  meine lippenträgheit – auch wenn das bild vielleicht nicht so gemeint gewesen sein wollte.

daneben die apotheke, die mir half, den pilz zu besiegen. es schmerzte beim pinkeln. ein zeichen größter lebendigkeit, allerdings ein misslungenes, da das immunsystem sich wiederum totstellte und dies auch weiterhin tut. der pilz ist untergetaucht, weg (?), aber die viel zu enge vorhaut ist weiterhin da. nicht mehr lange, so der plan. nicht mehr lange. sonst kommt der pilz wohl wieder und wieder und wieder. und sowohl der tod als auch ich wollen in ruhe pjnkeln und wer weiß was…

bauchtanz auf dem pleyel-flügel

chopin

und über die kniegeige gelegt

säuselt der tanzmeister seine wehwehchen

Umweltverschmutzung durch Gefühle, die nicht mehr zu brauchen sind – etwas Verfaultes, weil ich es nie ausgesagt habe oder nie ehrlich genug, nicht mit Bewußtsein verabschiedet. ( Max Frisch, Montauk)

die frau versunken in ihr din-a2-textexperiment. sie schreibt. man kann das café betreten, wann man mag, sie schreibt. am kleinsten tisch in der ecke sitzt sie und schreibt; das blatt hängt über die kante oder es läuft drüber hinweg, es läuft von einer tischkante zur anderen. über den tisch hinweg. wie eine lochkarte. wie ein film. es scheint, als wäre das blatt die bewegung und der stift nur zum halten gedacht, so sucht sich die schrift ihr bett.

mein blick fällt erneut aufs display. und erneut steht nichts neues da. so geht es im sekundentakt. es ist eine hektik wohnhaft geworden in mir, ein ausdrucksventil meiner ewigen unruhe. der blick aufs display ist die einzig momentane bewegung, die mir sinnvoll erscheint, auch wenn kein wozu eine rolle spielt. es ist alles so banal geworden mit dem display und die liebe meiner inneren unruhe zu diesem ventil.

leipzig. aus allen richtungen stürmen gewaltige truppen mit blinkemütze u labiallaberei die bereits aus allen richtungen gestürmten glühweinstände.

seit die gedanken mich heimsuchen, bin ich nicht mehr im kopf. habe exil in magen und rückenmark und manchmal gehen die arme nicht weiter.

konzentriert kontemplative haltung über der postkarte. die beiden jungen frauen sitzen an einem kleinen cafétisch mit einem winzigen tal für ihre tassen inmitten eines gebirges aus postkarten, das sich über den gesamten tisch erstreckt. zwei karten ragen sogar weit über die landesgrenzen hinaus. da sitzen sie und füllen eine nach der anderen, die gedanken schneller als die hände, in dieser mischung aus akkord und leidenschaft, die man bei denen vorfindet, die neu oder für eine touristische einheit in der stadt verweilen. solche einheiten gibt es viele hier und jede ist vollkommen. sie gefallen mir, die beiden. eine schreibt mit links, das lange schwarze haar hinters ohr geklemmt, dass die sicht aufs kartengebirge frei ist. sie scheint die richtigen worte zu finden. kein absetzen, kein unruhiges tasten. routiniert und erfahren, diese bergsteigerin. um das sichtfeld auf die karte zu beschränken, jede ablenkung könnte den absturz bedeuten, ist der abstand der augen zur karte so klein, dass gerade die hand dazwischen platz hat, die wie ein autoscooter über die fläche kurvt, der stift hintendran für den strom, der stift, der einige male schon ihre wange touchierte, was bei ihr aber kaum für verwunderung sorgt. mich lässt indes verwundern, wie ihr gesicht so ruhig bleiben kann, wo man doch ahnt, wieviel in ihrem kopf gerade umherwandert, zur hand vordringt und auf dem gebirge allmählich große spuren hinterlässt. briefmarken bescheinigen die historische anwesenheit der beiden auf jedem einzelnen gipfel.

…das Schreiben ist nur möglich, wenn ich diese Fittiche habe das ist mein Geheimnis… (Friederike Mayröcker, Und ich schüttelte einen Liebling)

café

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