monotonlage (zur sicherheit: triggerwarnung)

Juni 25, 2013

ich ritze mich nicht mehr.

seit ich leer bin.

dazwischen gab es pillen und klinik.

vielleicht bin ich nicht leer genug für einen anständigen monolog. aber warum sollte diese bühne keine sein? ich spreche aus dem off zu dir. durch diese hohle gasse muss er kommen. es führt kein andrer weg zur nacht. wo sind die küsse? spar sie dir. ich schrei auf keiner probe mehr. ich hab es drin. gib mir ein zeichen und ich werde schreien. warum auch nicht? und warum?

das ist nicht, was ich wollte. ich wollte nichts. du aber liegst da und wartest auf meinen applaus. vergiss es. ich kann nichts für deine tritte, die dir achsoplötzlich entfielen. es ist keine kunst, hier aufzutauchen.

es ist auch keine kunst, worte zu finden, die schon da sind. „oh, guck ma, n wort. gleich mal benutzen: wichser! wichser! wichser! oh, welch gnade, von mir genannt zu werden.“

ich zeig dir, wo du hingehörst. du hörst nicht, was ich sage, weil du glaubst, was ich sage, gehöre dir. ich sage nichts. ich klatsche nur ein wort neben das andere. und auch klatschen kannst du viel besser. das weiß mein körper. ich weiß es nicht.

mein monolog beginnt mit einer pointe, die keine ist. und dennoch ritzte ich mich. aber darüber bin ich längst weg. mir blieben kaum narben. und die tiefsten hab ich aus der klinik mitgebracht. in diesem postsozialistischen resozialisierungsgetue. aufgeben sollte ich mich und mich integrieren, was anpassen hieß. ich durfte nicht mehr schreiben und denken, wie ich es nicht anders konnte: hören sie auf, dinge zu schreiben, die niemand versteht. ab heute schreiben sie reime: geburtstagsreime, abschiedsreime. hübsche tätigkeit. stellen sie ihr rhythmusgefühl ausschließlich unserem genossenschaftsmarsch zur verfügung. wenn sie das schaffen, dann sind sie geheilt.

ich wurde als unheilbar entlassen. das war mein versagen. ein versagen neben dem anderen. ich bin kein versager. ich bin das versagen.

du bist der vorsager: „versager!“ sagt sich so schön. es klingt beinahe wie ein versprechen, das du dir selbst gibst, ohne dich meinen zu müssen. das muss liebe sein. und links eine und rechts eine und noch ein paar tritte dazu? immer her damit. ich gönn sie dir. du musst ja wut loswerden. da kann ich das verstehen. her mit der wut. her damit, du anständiger sozialist. du tugendhafter großgütiger. soll ich noch einmal in windeln vor dir tanzen? vor dem besuch? in windeln, die muttern mir anlegte, als ich sechs war, weil ich mir in die hosen machte aus angst vor dir. an meinen grenzen wart ihr euch immer so schön einig: und nun zeig doch mal dem besuch, was für ein baby du bist. zieh dir die hose runter. zu befehl, herr vater. zu befehl.

ich habe nie gelernt, dich zu hassen, weil du mir die welt bautest, in der ich aufwuchs, die mir auswuchs wurde, ohne dass ich es merkte. es war normal. wie in jedem haushalt anzutreffen. dich zu hassen, hieße alle werte aufgeben müssen. nicht die kopfwerte, die körperwerte. alle. und jede therapie scheitert an diesem punkt. ich kann dich nicht vergessen, auch wenn du wohl nie an mich gedacht hast. wie ich mich danach sehne. in meinem körper trag ich dich tagein tagaus durch die gegend. meine reaktionen sind allesamt reaktionen auf dich. auf dich allein.

vergessen, das wäre ein traum. ein fehlbarer traum, da du nicht drin vorkommst, mir das vergessen auszureden.

ich habe nichts vergessen. nicht einmal die fragen, die du mir nie beantwortet hast. und nie beantworten wirst.

vielleicht werde ich eines tages dement. vielleicht ist das der segen. dann würde ich mich verhalten, als wärst du anwesend, aber ich wüsste nicht mehr, wer du bist. vielleicht aber vergäße ich alles andere zuerst. dann wärst nur du noch da. nur du.

warum hast du in den apfel geschossen und nicht in den kopf?

 

appendix:

ich bin das off, das du brauchst, weil alle dir off sind. dir reicht der applaus oder der mensch als ablagefläche deiner herrschaft. vielleicht sehe ich das falsch. falsch, weil ich blind von dir bin. ich bleibe in deinem off und suche mir eine andere bühne. doch träumen darf man das vergessen:

vorab trete ich ab, vor in den zuschauerraum. suche nach dir. bitte dich höflich auf die bühne, bin ich nicht gut zu dir?. ich setze mich, hörst du mir zu?, setze mich und schau, schau,

wie der vorhang hinter dir fällt.

(pause)

dann wird es hell und ich kann das schauspiel verlassen.

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