sieben achteln

Mai 12, 2013

innerhalb der osteuropäischen folklore und der daraus hervorgehenden popularmusik ist der 7/8-takt nicht unüblich. in unseren breitengraden (ich sag mal: breitengraden) beschränkt sich das taktgefühl auf 3/4-takt und 4/4-takt (manchmal 2/4-takt) und zudem nur in der starren form. es gilt schon als kompositorisch gewieft, mehrere taktarten in einem (pop-)musikstück nebeneinanderzustellen. es gibt unterschiedlichste gründe dafür, warum sich das taktsystem und ebenso das harmonische system in unseren breitengraden (da, schon wieder)etablieren konnte. es monokausal auf die verschriftung und deren abertausende gründe zurückzuführen (zum beispiel die vereinheitlichung der liturgie), wäre nicht fair, obwohl es eben doch wesentlich damit zusammenhängt. die reduktion des rhythmisch-‚harmonischen‘ materials von diversen tonsystemen über kirchentonarten- und modi hin zu dem kläglichen rest, der sich in dur, moll und takt aufteilt, sowie die schriftliche fixierung führte zu einer hohen virtuosität innerhalb der harmonik, gerade auch die schrift trug zu einer ausprägung der vertikalen denkens bei, sprich der harmonik, mitunter unter einbußen auf der horizontalen ebene, sprich der melodik. in kulturen der (überwiegend) mündlichen tradierung lassen sich ausgefeilte, hochkomplexe melodische strukturen finden, dafür gibt es kaum harmonisches denken (was nicht schlimm ist). auch der takt ist nicht so mit trennlinien versehen. es wird oftmals vielmehr im puls ‚gedacht‘. hochverschachtelte ‚pulsketten‘ lassen sich zum beispiel in rumänischer folklore vorfinden. der 7/8-takt in seiner statischen form, ist dort so etwas wie eine rückenmarksangelegenheit. soviel dazu.

in seiner statischen form also. soso. aha. aha.

der 7/8-takt hat, vielleicht für unsere (nicht an bestimmte kreistänze gebundene) ohren etwas stolperndes. und ich glaube auch, dass grade dieser stolpereffekt oft ein entscheidender grund ist, ihn für unsere ohren zu verwenden. in den angeführten beispielen das rhythmische muster meist: 12-12-123 oder 123-12-12. mit ein bisschen übung findet man sich dann schnell zurecht. die beiden angeführten 7/4-taktmusiken sind dagegen eher als aneinanderkettung eines gerade und eines ungeraden taktes zu verstehen.

die liste ist natürlich alles andere als vollkommen. die beispiele sollen vielmehr ein gefühl für den takt vermitteln:

nigel kennedy mit kroke und natacha atlas: ajde jano (album: east meet east – altenativ: das blaue einhorn und etliche andere. hierbei handelt es sich um ein volkslied, um dessen ursprungsheimat man sich im ehemaligen jugoslawien streitet / zählung: 123-12-12)

kroke: sun  (album: ten pieces to save the world /  zählung: 123-12-12)

schwarzkaffee: balkan funk (album: in the machine / zählung: 123-12-12)

genesis:  dance on a volcano (album: a trick of the tail)

dave brubeck: unsquare dance

venetian snares: öngyilkos vasárnap (oh, die stimme kenn ich doch? richtig: billy holiday / album: Rossz Csillag Alatt Szueletett)

alec empire: silver box (auf: limited edition 1990-1994)

björk feat. thom yorke:  náttúra

venetian snares: hospitality (ep: hospitality)

pink floyd:  money – 7/4-takt (zählung: 1234-123)

peter gabriel:  solsbury hill – 7/4-takt (zählung: 123-1234)

ps: wer rhythmische verzahnungen mag, dem empfehle ich u.a. sigur rós und hier insbesondere: gobblediguuk

pps: im metalbereich ist der 7/8-takt auch zuhause. dadurch kommt der böse böse schrei gern mal etwas früher als erwartet.

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