anschluss?

Januar 1, 2013

herr z hockt vor dem telefonapparat. er ist die nacht nicht zu bett gegangen. was, wenn er das klingeln überhörte oder nicht rechtzeitig an den hörer gelangte, zumal seine stimme wach und entschlossen sein sollte. er hatte das „ja bitte!?“ unzählige male geübt. es sollte nicht forsch klingen, nicht erschrecken, aber auch nicht fernab jeglichen interesses, und abwesend erst recht nicht. nein, das sollte es nicht. hätte er sich hingelegt, ihm wäre aber auch gar nichts gelungen. das wusste er.

besser, ich bleibe wach!

er holte seinen guten angelhocker aus dem schrank mit der hose. da konnte er ihn aufgeklappt lassen. und manchmal, wenn es zu laut und zu grell um ihn wurde, setzte er sich in den schrank und trank seinen fencheltee. den brüht er sich täglich und verteilt je ein kännchen in den schränken. aus erfahrung weiß er, dass er nie weiß, in welchem der räume er sich aufhält, wenn es ihm zuviel wird: im wohnzimmer? im schlafzimmer? in der küche? im bad? vom bad ins schlafzimmer wäre noch möglich gewesen. aber der weg von der küche über den flur ins wohnzimmer ist entschieden zu lang, um einer panikattacke zuvorzukommen. das lehrte ihm die erfahrung. so kaufte er für jeden raum eine kanne, eine tasse und einen schrank, der groß genug ist für ihn: im wohnzimmer der schrank mit dem bügelbrett und einem stapel zeitungspapier, auf dem er ruhig fünf bis sechs stunden sitzen kann, ohne an aufgeben denken zu müssen. im bad der schrank mit der seife. davon ist reichlich vorhanden, weshalb er neben kanne und tasse selten platz zum hocken findet. aber seife ist wichtig. da kann man nichts machen. in der küche der schrank mit dem zwieback. einszwei päckchen.immer einszwei päckchen. herr z mag zwieback so sehr, dass er sonntags auch ohne körperliche warnzeichen im schrank verschwindet, sich ein schlückchen tee eingießt, der packung einen zwieback entnimmt, ihn teilt und je zweimal eintunkt, bevor er die teile behutsam mit seiner zunge verschmilzt. dieses fest. – im schlafzimmer der schrank mit der hose. dank des anglerhockers ließ es sich dort bisher am längsten auf- und aushalten. ganze geburtstage und weihnachtsfeste verbrachte er schon im schrank mit der hose, vorausahnend ein zweites kännchen dabei und ein drittes für…     den anglerhocker zu erben, war eine vortreffliche wahl.

nun hockt herr z auf dem anglerhocker im flur und schleift mit den augen zur beruhigung seit stunden die 8 auf der wählscheibe seines grau melierten telefonapparats, gespannt und bereit für sein „ja bitte!?“.

heute, so sagte man ihm, sei es soweit. heute entschied sich, ob er ins neue jahr darf oder nicht.

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