jo lendle oder warum ich auch mal ‚geflasht‘ sagen will

Dezember 7, 2012

in der nacht zum 7.dezember les ich:

jo lendle. unter mardern.

wer miniaturen mag, wird dieses büchlein lieben. es ist der mund offen dabei. jedes wort ein stückchen mehr. ganz kleine wörter reihen sich aneinander, bescheidene, wie man sie bei bichsel findet. ein vorsichtiges abtasten der wahrnehmung, ihrer beschriftung, ihrer reflexion. die wirklichkeit der texte ist von anfang an intendiert und eingerichtet für das fragen. psychogramme ohne psyche. das ich der miniaturen versteckt sich hinter den leisen wörtern. wörter, die nur scheinbar wahrnehmung beschreiben, dabei wahrnehmung vielmehr animieren. animieren, nicht nur abgetastet, sondern auch wahrgenommen zu werden. die texte sind ein ewiges pendeln zwischen wort und wirklichkeit, ein schlingern, ohne halt außerhalb der grammatik. welcher semantik darf getraut werden? was verweist worauf? mit welcher/wessen intention? verweist sprache auf die wirklichkeit oder auf die sprachgemeinschaft? realistische semantik? pragmatische semantik? institutionalisierte wirklichkeit?

und all das so grandios in kleinen worten. wenn man nach der wirklichkeit fragt, sollten die großen wörter niemals angesprochen werden. sie klingen schön, sind aber bedeutungsleer, haben nichts, worauf sie verweisen können: sinn, freiheit, liebe, leben etc. sie geben keine/schwache auskunft über die beziehung der sprache mit der wirklichkeit. das schaffen nur kleine, aber semantisch starke begriffe. nur sie können einen zum behutsamen beobachter der eigenen wahrnehmung werden lassen.

dieser blogeintrag bietet keine inhaltsangabe. er hält spontane eindrücke fest. ich kann dem büchlein nicht gerecht werden. nur zeigen, was mich daran so bewegt. und selbst das kann nicht gelingen, da das buch mehr bietet, als der fokus hier vermuten lässt. einiges mehr. selten hat mich – neben bichsel – ein literat so sehr und so gebündelt mit den fragen der sprachphilosophie konfrontiert wie jo lendle mit diesem büchlein. und ganz unabhängig davon ist es ein besonderer und großartiger lesespaß.

vielleicht habe ich auch nichts verstanden. einer der ersten treffer zu diesem buch ist eine herablassende beleidigungspeitsche http://www.gazette.de/Archiv/Gazette-19-November1999/Leseproben2.html

aber dann bin ich lieber weiterhin bescheuert und lese dieses buch mit genuss und hohem gewinn.

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