ich spiele musikwissenschaft

Oktober 16, 2012

klassische reaktion auf die äußerung, man sei musikwissenschaftler: interessant, und welches instrument spielst du?

davon kann auch ich ein lied singen. was mich aber nicht unbedingt musikalischer macht als nichtmusikwissenschaftler. selbst wenn ich dieses lied notieren und zu einem vierstimmigen choral aussetzen könnte (teuflicher quint- und oktavparallelen inklusive), eine improvisation über den namen dieses liedes auf dem klavier hinbekäme oder einfach durch die zähne in mich hineinsummte. als musikwissenschaftler kann man musikalisch sein, muss es aber nicht. natürlich wäre es sinnvoll und die meisten sind durchaus auf irgendeine weise musikalisch – ich selbst bezeichne mich gern als wahrnehmungsmusiker ;). aber, frei nach hume und seinem hinweis auf den naturalistischen fehlschluss: aus einem sein folgt kein sollen. (wollte nur mal implizit aufs zweite fach anspielen. ich schelm.)

nun, ich habe mir angewöhnt, zu sagen, musikwissenschaftler seien die, die über musik reden. das reicht meist völlig aus, um ein neues thema einzuleiten. damit ist allen geholfen. ich kann durchatmen, weil mir erspart bleibt, zu erwähnen, dass musikwissenschaft sogar noch untergliedert ist oder besser: es gibt mehrere arten der musikwissenschaft. so wie es unzählige musiken gibt und ebenso unzählige bedingungen/weltanschauungen/achachach unter und in denen diese musiken ihre funktion erfüllen. all das müsste ich dann alles erklären und beobachten, wie die mundwinkel des gesprächspartners sich verselbstständigen und die blicke einen anlass suchen, ein „oh, schau mal da drüben“ in die welt zu setzen. ich habe als kind schon oft genug nach da drüben geschaut. da gab es ü-eier und duplo.

wenn es kein dadrüben gibt, um endlich durchatmen zu können, muss ich dem gegenüber nun also klarmachen, dass sich die musikwissenschaft, wegen der vielen fragestellungen in bezug auf die unzähligen musiken und in bezug auf die funktionen dieser musiken, dass diese musikwissenschaft sich nun aufspaltet in eine historische und eine systematische musikwissenschaft und dass dort wiederum nicht ganz klar ist, ob es nicht eigentlich noch eine dritte schwester geben müsste: ethnologische musikwissenschaft oder gar eine vierte: popularmusikwissenschaft. all das gibt es an manchen instituten in dieser familienaufstellung. aber mit jeder aufspaltung kommt natürlich die frage: warum? und welche konsequenzen hat dies für die anderen bereiche? wie müssen die grenzen nun ausgelotet werden. und vor allem: warum?

mein gegenüber steht nur noch auf einem halben fuß, der andere ist längst bereit in aufbruchstimmung. mittlerweile spüe ich, wie mein gesprächspartner nach einem inneren „schaumalda“ sucht, sprich: ich muss mal. das spüre ich und wie dankbar wäre ich, würde dieses ichmussmal zur welt gelangen. solange dies nicht passiert: weitermachen.

nun, der historischen musikwissenschaft geht es vor allem um, hm, und der systematischen, das muss man sich mal vorstellen.

natürlich ist die frage berechtigt, was die systematische musikwissenschaft nun eigenständig macht, da sie von so vielen fremddisziplinen abhängig ist. macht sie mehr, als diese fremddisziplinen zu leisten imstande wären? gibt es einen eigenständigen grund, der dem systematiker erlaubt, bunt vor jede fremdisplin sein musik zu pappen?

eben noch soziologie, dann schauberkugel, und schwupps: musiksoziologie. oder musikpsychologie oder musikphilosophie oder musikästhetik oder und das ist die frage:

hä?

ich – als systematiker – sage: ja. ja zum grund. ja zur eigenständigkeit der systematischen musikwissenschaft. ja zur unabhängigkeit. ja und ja. aber wer wäre ich, würde ich verraten, warum? zumal mir kein plausibler grund einfällt (was natürlich unter uns bleibt).

mir wird allmählich mulmig.ich spüre, wie der hals sich zuschnürt. schweißausbrüche bahnen sich an. nicht mehr lang und der kopf beginnt zu glühen: was für ein albtraum. und mein gegenüber sieht sich noch immer nicht bereit, den mussmaljoker aus dem hosenstall zu schütteln. also bleibt mir nichts weiter übrig, als meine eigenen gezinkten karten unters volk zu bringen.

en garde – schnauben – attacke

warum gehst du nicht endlich aufs klo?

„ich muss nicht. ich stehe auch nicht ungeduldig auf halbfuß. dummbatz. und warum sollte ich „schau mal da drüben“ sagen? mich interessiert, was du erzählst. ich warte nur darauf, dass du endlich zum inhalt kommst. also los. erzähl mir mehr.“

Eine Antwort to “ich spiele musikwissenschaft”

  1. Iris said

    Gut die Kurve gekriegt am Ende. 😉
    Demnächst hoffentlich mehr. (?)

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