beginn des präludiums zur kinderoper „brundibár“ (erweiterte fassung)

Juni 24, 2012

dieser text ist ein vortragstext. die erweiterte fassung wurde unter hohem druck und in letzter minute fertiggestellt. deshalb ist er voller fehler und inhaltsleere. er eröffnete ein programm, das der oper als präludium vorangestellt wurde. genau genommen ein parallelpräludium, da dieser text einer anderen, einer kontrasttonart, einer komplementärtonart folgt. für einen eindruckstext bin ich heute zu müde. aber er wird in den kommenden tagen folgen.

 

dies ist ein prolog.
präludium einer sprachlosigkeit.
vorspiel einer zeit, die den menschen nicht mehr spielen ließ, nicht mehr mensch sein ließ.
vorspiel einer unzeit
dies ist ein prolog. ein präludium. ein vorspiel.
brundibár wird in einen rahmen gesetzt, der nicht vergessen werden darf.
denn brundibár war ein spiel in einer unspielbaren zeit. ein winziger ort menschsein. eine augenweile. und nur dort ist der mensch ganz mensch, wo er spielt. das wusste uns schiller zu sagen. und brundibár war ein spiel. eine atempause. ein pause zum atmen. eine pause inmitten eines
nachspiels, das kein spiel war, sondern nur die grauenhafte wucherseite eines beispiellosen wirmenschen.

jetzt ist der zeitpunkt. der autor beginnt den prolog zu brundibár.

präludium einer sprachlosigkeit

jedes wort zuviel
jedes zuwenig
zugleich
selten greifen worte so ins leere
ein unort
eine unstadt
theresienstadt
Ingeborg Bachmanns berühmtes Zitat: die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.
aber was ist die wahrheit, wenn sie unsere vorstellungen übersteigt? was ist sie wert?
aber die wahrheit muss uns übersteigen. sie muss anwesend sein und anwesend bleiben. sie muss uns wesentlich sein. das muss uns wahrheit sein. wahrheit diesen ausmaßes. auch wenn verstehen unmöglich scheint.  auch wenn es keine antworten gibt. es ist allein schon undenkbar, die fakten zu dokumentieren. wie undenkbar ist es dann, sie zu beschreiben?
und wer darf das tun? wer darf die fakten zu geschichte formen? zu geschichten.
und wer sieht sich heute, gerade auch heute im stande dazu?
die wahrheit ist da
und worte greifen ins leere
theresienstadt lässt sprechen.
aus dem innern des ghettos
aus dem innern der zeit
es bleiben worte zu hören aus dem innern der zeit:
da wird das gedicht sein des kleinen teddy. 1943 entstand es. in theresienstadt. da wird die kleine ela sein, die nicht aufhören konnte, sich mit den großen fragen zu beschäftigen. ein tagebucheintrag aus dem jahre 1943. theresienstadt.
selma meerbaum-eisinger wird sein. die junge lyrikerin aus czernowitz/rumänien. sie starb 18-jährig im arbeitslager michailowka. ein lager gelegen in der heutigen ukraine.
da wird der Gassn singer sein. Text und Musik von Pejssachka Burstein.
die ahnung einer spitze des gigantisch-grausigen eisbergs wird nun sein.
aber auch die ahnung einer unmöglichen hoffnung. einer hoffnung, die bleibt. einer hoffnung, die möglich bleibt.

das waren zurückgehaltene worte. zuwenig. zuviel.

 

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