witz

Januar 22, 2012

wahrheiten sind nie ehrlich. sie haben nur keinen grund zu lügen.

was für ein dämlicher spruch. als gäbe es nachts nichts anderes zu sagen:

in saalfeld geboren. das ist ein tagsatz. ein nachtsatz dagegen: in brandenburg aufgewachsen. die ersten zehn jahre klemmen zwischen echterkerlseinmüssen und parteiprogramm für die kleinen. wohnhaft in einem der plattenwürfelblocks der mittleren achtziger.

da stand unser name. davor der name des mannes, den ich fälschlicherweise jahrelang vati nannte, weil ich drei war, als er vor uns stand, wie später vor unserem namen.

dabei ist auch unser name nur mein gewurzelter. meine mutter hat ihn durch heirat erworben. drei jahre später nahm sie den namen und ging. mir gehört er von geburt an. das ist üblich. geburtsname eben und erinnerung an einen vater, den ich nicht kenne. der mir unbekannt bleibt, wie seine familie, meine großeltern, wie sagt man?, väterlicherseits.

die väterlicherseite fehlt mir womöglich nicht einmal. zu sehr bin ich väterchenfrost gewohnt. aber genau weiß ich es nicht. genaueres weiß nur das bafögamt oder der anwalt, der väterlicherseits mit dem bafögamt in verbindung stand. nun bekomme ich längst kein geld mehr und hab auch ruhe vor dieser bürokratischen erstbegegnung nach so vielen lebensjahren,

sofern es leben war. – keinen vater zu kennen ist ganz einfach. meiner mutter graut vor meinem vater, wie mir vor dem, dessen name das einzig zuvorkommende blieb. wir hintenan. ein mann, kaum größer als ekel alfred, aber ausfallender und trinksprüchiger und schlagbereiter. und abends lief man durchs wohnzimmer von einem sessel zum nächsten, um beiden namen einen gute-nacht-kuss zu geben. das macht man so. das ist erziehung. später kam er nach, schlug mich wach und schmiss meinen walkman an, pardon, gegen die wand. zuvor, beim küssen, hatte ich noch sein ‚ja‘ erhalten, den walkman mit ins bett nehmen zu dürfen. später kam er nach, schlug mich wach und lallte, was mir einfiele, im bett musik zu hören. das lallte er. inszwischen hat er das wohl vergessen. wie all die anderen, größeren dinge. dort langen keine wörter ran.

es ist der mann, der zu dem gefühl passt, das mutter meinem vater gegenüber hat. da möchte man sich schützen und lieber keinen haben. keinen.

und wäre dies eine geschichte, stünde zum schluss die

pointe.

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Eine Antwort to “witz”

  1. MelusineB said

    Guter Text. Schlimme Sache.
    Mir fehlen die Worte. Die „angemessenen“ – wie man so sagt.

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