der himmel voller schweigen

Dezember 7, 2011

momentan passiert viel. es gäbe genug stoff zum schweigen.

dann überlegt man, ob schweigen ein gut ist oder ein übel.

schweigen ist nicht das gegenteil von sprechen. und reden nicht die antwort darauf: weder aufs eine noch aufs andere. das gelungene schweigen kennt keine wörter. braucht sie nicht. wörter entziehen dich nur aus deiner beziehung zur welt. sprache macht dich gebrechlich und lässt dich glauben, du seist auf sie angewiesen und du bist es auch. wie der hund auf dich angewiesen ist, weil ihm das wolfsein nichts mehr sagt.

und eigentlich bist du nur sprache. bist jedes komma im hals, im kopf. dein leib ist kein ausrufezeichen. er ist dein doppelpunkt. mit ihm hältst du wort. dein ewiger konkurrent. mit ihm buhlst du zwischen verlangen und du. er sehnt sich danach von anderen gelesen zu werden. ein objekt wird ausgewertet. du aber willst nur subjekt sein. unterworfener. du kannst dich nicht hingeben. die sprache verbietet es dir.

und es bleibt die sprache, die dir einfällt, dich zu rechtfertigen. für dein du zu sein. das ist du und du ist ein virus. sag ich. ‚ich‘ ist ein virus. aufgeladen mit nichts als sprache. mit nichts als rechtfertigung. ‚ich‘ darf nicht ‚du‘ sein. muss verschieden sein. wir teilen uns

die dieselben begriffe, sie sollen uns voneinander fernhalten. darf ich dich lesen?

darf ich mich schreiben?

schreiben ist mein ewiger kampf gegen die eigene wahrnehmung.

kein schweigen fällt mir ein. nur das wort. nur das wort ’schweigen‘. es zwingt mich, das schweigen als gegenpart zu verstehen. da komm ich nicht raus. da bleib ich wohnhaft.

da löst sich das wort nicht von ab.

2 Antworten to “der himmel voller schweigen”

  1. Iris said

    „Zuweilen habe ich das Gefühl, man gehe aus dem Geschriebenen hervor wie eine Schlange aus ihrer Haut. Das ist es; man kann sich nicht niederschreiben, man kann sich nur häuten. Aber wen soll diese tote Haut noch interessieren! Die immer wieder einmal auftauchende Frage, ob denn der Leser jemals etwas anderes zu lesen vermöge als sich selbst, erübrigt sich: Schreiben ist nicht Kommunikation mit Lesern, auch nicht Kommunikation mit sich selbst, sondern Kommunikation mit dem Unaussprechlichen. Je genauer man sich auszusprechen vermöchte, um so reiner erschiene das Unaussprechliche, das heißt die Wirklichkeit, die den Schreiber bedrängt und bewegt. Wir haben die Sprache, um stumm zu werden. Wer schweigt, ist nicht stumm. Wer schweigt, hat nicht einmal eine Ahnung, wer er nicht ist.“
    Max Frisch

  2. „Wenn ich Romane schrieb, entstanden sie dann, wenn die Worte anfingen, vor der Wahrheit zurückzuschrecken.“ (Maurice Blanchot, „Das Todesurteil“).

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: