mir tut das herz so weh

Juli 24, 2011

deutschland gibt es nicht

hat es noch nie gegeben

nicht in der form, wie es zu existieren vorgibt, wie es die mentalzustände zur existenz bringen. die mentalzustände zumindest all jener, die auf deutschland schwören, als einem land nämlich, das sich selbst abhanden kommt, das sich abschafft.

was für eine gesellschaft zutrifft, trifft auch auf das land zu. eine gesellschaft, die sich ständig wandelt, nimmt das land natürlich immer mit. ich sage land, um es vom staat abzugrenzen. ich nehme den staat hier als eine backform an, die über fläche gestülpt wird, um grenzen zu suggerieren. und als gesetzesrahmen. für die handlungsgrenzen etc. ein staat ist damit eine insel, auf der ein steter wandel stattfindet. und schließlich ist die insel ebenfalls neuformungen ausgesetzt. etwas zäher als die landesformungen.

die sehnsucht nach nationaler identität ist eine leere. es gibt nichts worauf sie verweisen kann. nichts, was mit verlust, wahrheit, überflutung, abschaffung und und und bejammert werden kann. nationale identität kann nur dann human sein, wenn sie den ewigen wandel integriert. pseudoanker, wie sie gern in den tümpel der geschichte geworfen werden, finden nur scheinbar halt in den germanischen wurzeln. wir wissen nicht viel. wir haben die edda (in immerwiederneuübersetzungenundimmerneuenmentalitätendazwischen) wir haben wenige ortsnamen und wir haben die wochentage, die uns zeigen, dass da mal was war. natürlich gibt es noch das ein oder andere mehr. keine frage. aber sprachforscher müssen auf punkte innerhalb unserer gegenwart zurückgreifen, um überhaupt etwas belegen und rückschlüsse ziehen zu können.

germanien, wie es herbeigesehnt wird, ist ein reines hirngespinst. von daher ist es noch um einiges übler, dieses bloße hirngespinst zu missbrauchen, es pseudowissenschaftlich anzureichen, es auszudünnen. ach.

natürlich: wer identität sucht, braucht merkmale, die ihn von anderen unterscheiden, die ihn abgrenzen.  es ist nicht unbekannt, dass im neunzehnten jahrhundert von vielen seiten der versuch unternommen wurde, eine eigene deutsche identität herauszubilden. man machte die geschichte unsicher, bediente sich hier, besagte sich dort, mystifizierte die bäume, die felsen, die flüsse. ‚geschichte‘ war modern. aus diesem treibstoff ist große kunst hervorgegangen. sie beseelte das neue staatsgebilde, brachte zusammen, was die sprache lang zuvor schon umgarnte. seither wuchs dieses gebilde mal, dann schrumpfte es, dann wuchs es wieder. und wahrscheinlich wächst oder schrumpft es auch weiterhin oder löst sich auf, verhärtet sich. alles ist denkbar. nichts davon ist wahr. nichts davon ist natürlich. im rechten spektrum redet man ständig von mitteldeutschland, wenn von ostdeutschland die rede ist. sie reden auch von teilwiedervereinigung. das ‚verlorene‘ wird betrauert und unzählig besungen, als wäre es wahrlich das ‚verlorene‘. und ein heute lebender, sechszehn-jähriger mensch ist unglücklich, weil er in einem deutschland aufwächst, das ihm nur eine gebrochene identität bietet, weil seine heimat gebrochen ist. zerbrochen. und dieses zerbrochene reich wird auch noch von ausländern überflutet. die nation verliert…ja was? was soll bewahrt werden? die rasse? so etwas gibt es nicht. innerhalb einer ‚rasse‘ können die genetischen differenzen größer sein als zwischen zwei individuen verschiedener ‚rassen‘. das weiß man längst. das untermauert, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: gleiche rechte für alle. wir brauchen kein ‚europa der völker‘. weil es die völker gar nicht gibt. natürlich gibt es soziale gemeinschaften, die sich kulturell ähnlicher sind. aber was heißt das schon? wo ist der beweis dafür, dass ein ‚volk‘  in gefahr ist, wenn einflüsse von woher auch immer hinzukommen. ist das nicht immer so? ich möchte nicht in einer welt ohne austausch leben. ich möchte nicht nur stehen. und argwöhnen. die gesellschaft ist viel bunter als es eine ‚leitgesellschaft‘ glauben machen will. es gibt in diesem sinne kein deutschland und einen deutschen erst recht nicht. auch rechts nicht.

warum dieser text?

er ist intuitiv geschrieben.  er ist in angst geschrieben. in trauer. ich bin geschockt von den nachrichten, die aus norwegen kommen. wie wohl die meisten. ich bin wütend. wie wohl viele. viele. viele. und wenn man beobachtet, zu welchem selbstbewusstsein und zu welcher kampfbereitschaft sich auch hier teile der rechten bewegung entwickeln, dann ist solch ein ereignis in ähnlicher form  immer wieder denkbar. vor allem die stetige opferrolle, in die sich mantraartig hineingesteigert wird,

kann zu einer solch starken paranoia führen, dass mit dem echten gefühl der selbstverteidigung angegriffen wird, wie die ratte es tut, wenn es sonst keinen ‚fluchtweg‘ mehr gibt.

ich weiß, der täter ist weder das rechte spektrum, noch ist er dessen repräsentant. er ist ein einzelner. mit den ansichten vieler. aber mit den perversen handlungen eines einzelnen. verteter des rechten spektrums werden sich wohl von ihm und seinen taten öffentlich und vermutlich auch ehrlich distanzieren. aber die gedankengüter bleiben. und es gibt viele einzelne.

dieser text ist intuitiv und impulsiv geschrieben. er will nicht und mag nicht und kann nicht klug sein oder sonst etwas. ich habe bauchschmerzen. tränen.

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