geschichtenentfinder

Juni 9, 2011

eine kleine eigentlich ist es ganz einfach geschichte. vorgetragen von onkel van roehlek. aufgeschrieben von hand.

als ich zur welt kam.

war ich ausgeprägter hobbybastler.

ich schraubte an mir rum, um zu erkennen, ob nun die eine oder die andere hand meine spielhand sei. mittlerweile lernte ich strampeln und konzentrierte meine hauptsptrampelfähigkeiten auf ein bein namens links. ebenso die hand, der arm, der fuß. links hieß die familie. links war mein zuhause. ganz unpolitisch motiviert. dann kamen stimmungsvolle jahre in kindergarten und schule. bin hier rumgehopst, bin dort rumgehopst. das heißt: ich hätte hier wie dort rumhopsen können, wenn ich nicht zu denen gehört hätte, die bei hopsespielen immer auf der bank sitzen mussten, bzw. als letzte in irgendeine wehrlose hopsemannschaft gesteckt wurden. ich wäre linkshopser gewesen.

wären, ja wären es nicht erziehungsanstalten gewesen, die für linke typen keine konzepte hatten. materialmangel führte dazu, mich mit rechts essen zu lassen: ‚den löffel in die rechte hand, sonst gibt es kein nachtisch / den füller in die rechte hand, sonst muss ich Dich schlechter bewerten, Du undisziplinierter jungpionier / rechts rechts rechts

ich lernte, mich den mir zur verfügung stehenden objekten rechtsseitig zu nähern. und ja, es fing an, anständig mit mir anzufangen.

ich lernte essen, trinken, schreiben, malen, treten (treten? nein das kann ich noch heute nicht tugendhaft genug). alles so, wie es von einem geradlinigen bürger, ähm, bauern, ähm, volker erwartet werden konnte.

meiner steten fehltritte ist es zu verdanken, dass ich heute das fahrrad nicht auf der kettenseite aus kellergewölben schleppe, dass ich von mofae (mofata?) nicht auf der auspuffseite absteige; es sei denn, ich möchte mir verbrennungen sovielten grades zuziehen. und pferde, ach lassen wir das.

die vorteile einer umerziehung liegen auf der hand. ein dosenöffner – zum beispiel. ich kann sowohl als auch, während die meisten vermutlich nur sowohl beherrschen. zähneputzen, essen, trinken, malen, schreiben (oder eher krakeln, obwohl mir nur zwei arme zur verfügung stehen / die gewöhnliche hand ist aber die rechte. / dafür wurde ich für meine handschrift von allen seiten aufrichtig bemängelt. wer kann das schon von sich behaupten?).

in den akten unzähliger vorzimmerdamen werde ich als rechtshänder geführt, das haben sie so entschieden. die frage, die zu ihrer entscheidung beitrug, war ausnahmlos: „mit welcher hand schreiben sie denn?“ (schweigeminute) „ähm, gewöhnlich mit der rechten.“ „also sind sie eindeutig rechtshänder. ein rechtshänder mit einem merkwürdigen eeg.“

ich bin ein durchgegenderter rechtshänder.

einer, der irgendwann vergessen hat, linkshänder zu sein.

einer, der immer wieder überrascht ist, dass er es ist, weil er es sich selbst zu lange ausgeredet hat, weil es ihm zuvor lange genug ausgeredet wurde. ich trage attribute mit mir rum, die nicht meine sind, die mir nicht gehören. und manchmal erinnere ich mich daran. dann steht der mund offen und die luft im leeren raum.  manchmal kommt glück auf, bei dem gedanken, eine identität als linkshänder aufzubauen, dass heißt, alles andere wird abgebaut. trenn dich von deiner kulturmoralischen vorhaut, so, wie du versuchst, dich auch anderweitig von deiner kulturmoralischen eichel zu trennen.

darum geht es in dieser geschichte eigentlich.

davon soll die geschichte gehen. ins rollen kommen. im eigenen kopf.

ich bin linkshänder. kein rechtshänder.

ich bin mann. kein mann.

Eine Antwort to “geschichtenentfinder”

  1. Jennifer said

    Weißt du, es kommt nicht darauf an, Links- oder Rechtshänder zu sein. Unsere Welt ist eine Rechtshänder-Welt. Das merke ich immer wieder an Saucenkellen, oder beim Schneiden. Aber den, Ball werfe ich immer mit rechts und an der Tafel kann ich mit beiden Händen schreiben.
    Es ist nicht wichtig mit welcher Hand man letztendlich schreiben gelernt hat. So viele Dinge kann man mit links machen.
    Was ich wichtig finde: Sich nicht fest zu legen, sondern einfach immer wieder zu schauen, wonach einem ist und nicht nur auf die Gewohnheit hören. 🙂

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