vielleicht eine chance / kein versuch über sex

Januar 30, 2011

in diesem text geht es nicht um sex

es ist kein sex im text

und doch

aber als befreiung vom geschlecht als hinwendung zur lust

zur lust auf lust UND zur lust auf menschsein mit anderen menschen

es gibt menschen. menschen, die sich zuhören können, die sich bestaunen, bewundern, beneiden, behassen, etc. können. aber es sind menschen. das ist die chance. auf geistiger ebene keine geschlechtsträger mehr, selbst wenn sie sehr leiblich sich fühlen können heute. aber leibsein ist menschlich

 

sprache ist sex = sex ist sprache

sex wird nicht zurückgeführt in die freiheit einer vortabuisierten zeit

dafür hat sex sich zu sehr gewandelt

kein zurück zur natur, sondern durch die sprache hin zu einer neuen sexualität

sie mag unbekümmert sein (scheinen). ist sie das?

die sprache ist sehr virtuos. ihr gelingt es, zeichen zu setzen, bedeutungen zu fixieren, zeichen von bedeutungen abzuleiten, neue bedeutungen zu fixieren

man hat keinen sex mehr. man hat ihn auf diese oder jene weise.

die besondere offenheit der sexualität (in theorie und praxis) ist kein zeichen für einen verfall

dafür ist die sexualität viel zu facettenreich und virtuos

 

 

 

der körper ist nicht sex

die lust ist es. der kopf ist es.

nicht das berührtwerden ist schön, sondern das gefühl, das durch das berührtwerden entsteht:

nicht das gestreicheltwerden am penis ist schön, sondern das gefühl, das dadurch entsteht

nicht das liebkostwerden an der klitoris ist schön, sondern das gefühl, das dadurch entsteht

somit ist sex außerhalb eines körperortes, das gefühl wird nur mit regionen verbunden, die verortet werden können. allein das führt auch dazu, dass das bewusstsein durch den allgemeinen sprachkonsens  sich zu sehr auf bestimmte regionen fixiert: männer sind schwanzgesteuert. Das eigentliche lustzentrum der Frau liegt außerhalb des scheideneingangs.

die scham wird auf diese verortungen projiziert, um sie greifbar zu machen und sie so zu festigen.

doch lust ist im ganzen körper auffindbar.

und sprache kann körperorte fördern und fördert sie mehr und mehr.

so auch die arten der lust. ihre zahlreichen varianten.

 

spielzeug wird entkörpert durch sprachliche distanzierung. zwar kann ein dildo oder ein vibrator sehr naturgetreu aussehen, die nähe wird aber sprachlich umwunden: man sagt nicht penis, sondern eben dildo oder vibrator. dadurch erlangte das spielzeug aber eine selbstverständlichkeit im umgang. vielleicht gibt es deshalb noch zu wenig öffentlichkeit für sexspielzeug für männer. Sie heißen noch zu körpernah: z.b. travelpussy. oder aber klingen zu wuchtig?: masturbator.

soll die sprachliche distanz davor schützen, den körper eines anderen zu sehr zu objektivieren?

so kann ich zwar einen vibrator gebrauchen, bin aber sprachlich zu einer unterscheidung angehalten. der körper des anderen bleibt bei der selbstbefriedigung (wenn auch nicht in der phantasie?, so doch als gefühlsspender) unberührt.

 

resozialisierung des körpers.

sozialisierung der Lust.

damit auch wieder die lossagung vom körper als ideal.

fortpflanzung ist nurmehr option, in zweierlei hinsicht:

fortspflanzung und sex werden nicht zusammen gedacht. und fortpflanzung auch ohne sex möglich.

Sex = Sex

sex= körperlose leibeslust

sex=sprache = sex

 

der körper ist weiblich ist männlich ist alles dazwischen daaußen

doch der körper ist geschlechtslos geworden

und die menschen sind menschen mit lust

aber auch menschen mit anderen augen.

mit augen, die menschen sehen

und somit auch außerhalb jeglicher körper sich leiden mögen lieben können

denn leib und geist sind eins

und leibsein ist menschlich

 

Eine Antwort to “vielleicht eine chance / kein versuch über sex”

  1. poetin said

    sprache ist so ein schlüssel, ja. glückskind, wer ihn zu nutzen weiß. das ist gehaltvoll. ich esse deinen text jetzt und werd es mit dir verdauen, was alles darin liegt.

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