milchvergangenheut

Januar 21, 2011

Da war es zu spät.

Der Kaffee breitete sich auf dem Frühstückstisch aus. Er suchte sich sein Bett. Vorbei an dem Schinken, dem Käse, der Butter, vorbei an der Marmelade (der Guten von Großmutter), vorbei an den Tellern, ich weiß nicht, vorbei, bis ein dünner schwarzer Faden den Tisch verließ, gefolgt von einer Perlenkette, es könnten Satzzeichen sein, die Offenheit verkünden, die einen Abschluss bezeugen, beides? Das Frühstück ist hiermit beendet. Und bis auf den Vater, der tobend das Zimmer verlässt, weiß niemand, was folgen soll.

Sein Handrücken berührte den Pott. Die Hand war nicht die eines Suchenden, nicht die eines Versehens. Sie war die Hand eines Handelnden, eines Vaters, der wusste, was er tat, eines Vaters, der es hätte wissen können, wäre es nicht überraschend über ihn hergefallen – oder über uns? Er weiß, was er tut. Er ist der Vater. Da ist es zu spät.

Die Hand eines Vaters ließ das Messer fallen. Nervös hatte er die Marmelade, Omas Beste, versucht, auf den Toast zu streichen, hatte es vor, wäre da nicht ein größeres Vorhaben, ein absoluteres, eins, dass aus einem Morgenhungernden den Vater werden lässt. Das Messer fällt, während die Hand sich zum Pott bewegt. Da wird es zu spät sein:

„Neben dieser fetten Qualle kann ich nicht sitzen!“, überkam es den Vater mit einem tobenden, auf mich gerichteten Blick. Der Pott fliegt um, der Kaffee läuft aus, der Vater verschwindet.

Die Mutter weinte, „sieh, was Du uns antust“, als erste, nachdem niemand wusste, was folgen soll.

Eine Antwort to “milchvergangenheut”

  1. poetin said

    ich gluckse heute: „sieh, was du uns antust!“

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