Rôter munt, wie dû dich swachest!

November 4, 2010

Prolog:

 

Rôter munt, wie dû dich swachest!

wo es auch hingeht

sind wir zertrunkene viel zu zweit gegangen

 

[Notiz]:

Meinen ersten kuss bekam ich im frühling neunzehn-neunzig Sanft lehnten deine lippen an meinen Weilten dort Ich schmeckte deinen warmen atem Lass uns glücklich sein

Wir fühlten uns: Das macht man wohl so Das haben wir so schon gesehen Das ist uns so nicht entgangen Das muss wohl so Da lehnen die lippen aneinander Schmiegen Und das ist küssen

Das blitzt dann Im körper So blitzt das dann

Im körper Wie die hand am grashalm klammert als der grashalm den elektrozaun berührt als das dann war: jemand hätte mir einen tritt verpasst ins gesäß Der Vater war’s In den arsch Hätte So zuckte es kurz auf So klang es nach Im körper Mit dem grashalm Das blitzt dann

Dann ist das

küssen? Wie sagt man das? Deine lippen an meinen? Wie?

Das zischt Zieht durch den ganzen leib Wie die wohlgeformten schläge meines Vaters Nein Schöner Wie?

Wie das schamgefühl Du hast mich letzthin keinmal gefragt, warum ich behaupte, ich hätte Furcht vor Dir. Wie schön war dein kuss Unser erster in folge im borderlinefrühling neunzehn-neunzig Meine kinderliebefreundin deren gruß ich! teilen teilen durfte Wir waren immer bereit und drückten kosewollige blicke in unsere gemeinsame schulbank Ab und an tupfte deine hand darin auf im blick dein arm und seltenmutig deine schulter War das so?

 

Wie schön war dieser erste Kuss

: ich verlernte das Reden. Ich wäre wohl auch sonst kein großer Redner geworden, aber die gewöhnlich fließende menschliche Sprache hätte ich doch beherrscht.

 

Anders formuliert:

Er war da Er stand inzwischen Uns

Er und Er und Er

Der Kuss Der Vater Der Knabenschwanz

Du und Du und Du

Wie viele noch wollen in dieses Du sich stürzen Sich hineinzwängen Sich einwühlen als wäre sommerschlussverkauf auf Indexikalia Sich beengen Sich begehren Sich vertauschen Du als Du auch DualsDu auch Dual-Du auch leserfreundlich ist das nicht Doch Du bleibst unbestirnt bleibst Kopf ge mein tes

 

Meinen ersten kuss bekam ich neunzehn-neunzig Du drücktest deine lippen gegen meine Wir fühlten: Das macht man wohl genau so Das haben wir genau so schon gesehen Das ist uns genau so nicht entgangen Das muss wohl genau so Da presst man die lippen aneinander Presst und das ist dann ganz sicher

küssen Das klingt dann nach Im fleisch So klingt das dann nach

Im fleisch Weißt Du wie Scham geht? So vielleicht war das Gefühl?

Die scham Die treue Wenn er sich vor den gästen des Vaters entblößen soll Wenn er sich vor den gästen des Vaters entblößt Wenn seine schenkel den schenkeln eines jungen seines alters entsprechen Wenn der knabenschwanz sich verborgen hält hinter der windel „Los, zeig schon, datte ´n Baby bist!“ hört man die sage die sich als Vater verkauft der den sechsjährigen mit dem du anspricht das der sechsjährige nicht zu umgehen weiß ; an mir selbst hätte ich es nicht sobald bemerkt, da hatte sich ja zuviel Schuldgefühl angesammelt, das Dir recht gab, sobald der knabenschwanz sich verborgen hält hinter der windel Bestimmt für den bruder den jüngeren den echten dieses Vaters Die windel glücklich zur hand als der knabe einnässte der ältere Als er einnässte aus angst vor dem Vater Ja Vater Aus angst der knabe (dieses baby) der im zimmer bleiben sollte bis der knabe nicht mehr flennt der auf der bettkante erstarrte der die toilette mied da das zimmer nicht verlassen werden durfte bevor er nicht zu flennen aufgehört hat der nicht flennte der nur still die tränen auf die bettkante starrte: „Du bleibst im Zimmer!“ Der es laufen ließ in die strumpfhose die blaue die mit den zwei nähten am trittgesäß Trittarsch Die mit der einen naht am knabenschwanz (die eine Naht zu wenig) Der nicht wusste und flennte dabei – bald stand er ganz stolz vor den gästen: „Los, zeig, datte ´n Baby bist! Dreh Dir! Mach schon!“ Dreh dich Dreh dich tanzbär Dreh dich hübsch im kreise!

 

So vielleicht rauschte der erste kuss

Die bedrückten winzigen münder

Wir pressten die lippen gegeneinander Wir ließen sie flennen wir ließen sie winken zum abschied

Du machtest rüber mit deinen eltern War da dieses borderline-neunzig War da dieser kuss dieser erste war da einen moment lang nicht der geschmack eines Vaters einen sanften moment lang Das ist wohl so Genau so / Wüßte ich, daß sie mich ersticken würden, ich würfe mich auf deinen Mund und ließe mich ließe mich ließe mich ließe mich ließe mich abschmatzen wie eine endlose Mahlzeit.

 

Epilog:

 

Bin ich Hamlet?

Bin ich Orest?

Wo soll ich klingeln Ophelia?

Wo Elektra?

Wie lautet euer Name?

Du?

 

Verblindet der Kuss

Die Bilder gewahrt





Zitate kursiv:
Walther von der Vogelweide
Franz Kafka
Volker Braun

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